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Galloways vom Bebensee

Erfahrungen bei der Zucht meiner White Galloways

Nachdem ich schon Mitte der 80er Jahre vom ersten Anblick eines Gallowayrindes völlig verzaubert war, beschäftigte ich mich fortan in der Theorie mit allem, was zu diesen Rindern veröffentlicht wurde – wenig genug, war doch Mutterkuhhaltung seinerzeit noch so gut wie unbekannt. 1992 endlich war der Zeitpunkt für die Praxis gekommen.

Von einer Reise nach Schottland kam ich mit dem Vorhaben zurück, dunfarbene Galloways zu züchten, denn ich hatte dort wunderschöne Tiere dieses Farbschlages gesehen. Doch dann begegnete ich bei der 2. Galloway-Bundesschau erstmals einem White Galloway, „Calla vom Moor“ war es, und die Entscheidung für diesen Farbschlag stand fest. Natürlich habe ich beim Aufbau meiner Herde allerlei Anfängerfehler gemacht und bin auch unseriösen Händlern auf den Leim gegangen. Und entweder gibt man desillusioniert auf, oder man ist von der Leidenschaft gepackt und lernt aus all diesen Fehlern.

Wunsch und Wirklichkeit in der Rinderzucht

Die Wünsche eines Rinderzüchters
  • Grasende Rinder, wiederkäuende Kühe, unendliche Friedlichkeit, unendliche Muße
  • Grüne Wiesen, gelbe Butterblumen, weiß-blauer Himmel, immerwährender Ertrag von satten Weiden
  • Sanfte Mutterkühe, springlebendige Kälber, friedfertige Bullen, ein harmonisches Rinder-Familienleben
  • Gleichmäßigen Frühling, steten Sommer, milden Herbst und Winter ganz woanders
  • Hervorragende Zuchttiere, überdurchschnittliche Zuchterfolge, Schlangestehende Interessenten
  • Bis ans eigene Lebensende haltende Zaunpfosten, nicht rostende Drähte, unendliche Batteriekräfte, frisches Wasser im Überfluss
  • Keinen Papierkrieg, keine Administration, keine Notwendigkeit, mit Ämtern in Kontakt zu treten, keine Verpflichtung zu An- und Abmeldungen, zu Untersuchungen und Bestandserhebungen
  • Niemals die Entscheidung über die Schlachtung eines Tieres treffen zu müssen
  • Diesen gesamten Part der Fleischrinderhaltung in andere Hände geben zu können
  • Einfach nur sitzen - gemütlich in der Wiese an der Koppel sitzen, den Tieren zuschauen und den Versprechungen glauben, dass Robustrinderhaltung nichts mit Arbeit zu tun hat
Die Wirklichkeit eines Rinderzüchters
  • Entbrennen für einen der seltensten Farbschläge bei den Galloways, den Whites mit nur ganz wenigen Blutlinien
  • Die Erfahrung, dass es keine Garantie für perfekte Markierungen gibt, ebenso wenig wie für die Geburt von überdurchschnittlichen Zuchttieren
  • Die Feststellung, dass Zaunpfosten immer kürzere Lebenszeiten haben, Drähte gern reißen und Batterien zum unpassenden Zeitpunkt keinen Saft mehr haben – und Rinder gern auch mal die Umgebung erkunden
  • Die Erkenntnis, dass die perfekteste Vorbereitung für die Schau und das vermeintlich tollste Schautier nicht unbedingt ganz vorn stehen muss, auch Zucht-Richter haben ihre eigenen Vorstellungen
  • Die Wahrheit, dass schöne und ertragreiche Weiden aufwendig gepflegt und gehegt werden müssen und viel Arbeit darin steckt, eine Grasnarbe so zu erhalten, dass die Rinder sich sommers und winters wohlfühlen und genug zu beißen haben
  • Die Realität, dass der Winter lang und oft grimmig ist, das Wasser einfriert und die Tiere trotzdem nicht dürsten dürfen, man Stein und Bein friert, wenn es heißt, bei Frost die Raufen zu füllen
  • Dass es mühselig ist, für all dieses eine Vertretung zu organisieren, wenn einmal ein paar Tage Abwesenheit von Haus und Hof geplant sind

Aber gerade deshalb ...

... ist es das Schönste von der Welt, die Tiere zufrieden zu sehen, die Geburt von Kälbern zu erleben, zu staunen über die sich ständig steigernde Friedfertigkeit und Zuwendung des Zuchtbullen und die verschiedenen Charaktere der Mutterkühe zu bewundern, jede einzelne eine „Persönlichkeit“, die man niemals mehr missen möchte.

Und darum bleibt man dabei, fängt an, Zuchtziele zu definieren, Forschungsarbeiten zu konzipieren, Menschen für den Aufbau einer Herde zu begeistern und nicht zuletzt das Fleisch des Fleischrindes White Galloway so zu vermarkten wie es ihm gebührt, als Fleisch von Edeltieren!